Suchmaschinenoptimierung für feministische Webseiten

Wie funktionieren Suchmaschinen?

Suchmaschinen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Egal, welche Frage ich im Kopf habe – von einem Kochrezept bis zu Hintergrundinformationen zu einer aktuellen gesellschaftlichen Debatte – die Chancen sind groß, dass ich mich an eine der großen Suchmaschinen wende. Und die meisten nutzen Google.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen spucken Suchmaschinen eine Liste an Hunderttausenden Suchergebnissen aus. Wie können sie das so schnell liefern?

Das liegt daran, dass Suchmaschinen einen Katalog besitzen, in dem sie Informationen über Internetseiten schon gespeichert und damit sozusagen “vorsortiert” haben. Dieser Katalog nennt sich Index. Der Prozess, wie eine Webseite im Index landet, nennt sich Indexierung.

Wie funktioniert die Indexierung?

Suchmaschinen lassen spezielle Programme, sogenannte Bots, permanent das Internet abgrasen. Dieser Prozess nennt sich crawling, vom englischen Verb to crawl (krabbeln oder kriechen). Deshalb werden diese Bots auch manchmal Spider (Spinnen) oder Crawler genannt. Diese Crawler bewegen sich unermüdlich durch das Internet, indem sie Links folgen, die sie von einer URL zur nächsten bringen. Dabei entdecken sie nicht nur neue Webseiten, sondern überprüfen bereits indexierte Seiten auf Änderungen. Somit wird der Index beständig aktuell gehalten.

Diagramm von Webseiten, die mit Links miteinander verbunden sind

Die Crawler senden Informationen über eine Seite zurück an die Server der Suchmaschine. Um Inhalte und Aufbau zu entschlüsseln, laden Suchmaschinen URLs tatsächlich so, wie ein Browser es tun würde. Nur dass die Auswertung der Seiten bei Suchmaschinen rein maschinell passiert. Die Informationen über einzelne URLs werden im Index gespeichert, und bei einer Suchanfrage in Sekundenschnelle ausgeliefert. (Quelle: Google)

Nun befindet sich eine Webseite im Index. Doch wie bestimmen Suchmaschinen nun die Reihenfolge, mit der Webseiten bei einer Suchanfrage angezeigt werden? Die Reihenfolge nennt sich Ranking und die Faktoren, die bestimmen, welche Seite ganz oben und welche weiter unten stehen, heißen Ranking-Faktoren.

Die Idee hinter dem Google-Algorithmus

Ranking-Faktoren sind komplex und mit den Jahren immer komplexer geworden. Die Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin, hatten ursprünglich die Idee, die Relevanz einer Seite daran zu messen, wie viele andere Webseiten darauf verlinken. Dieser Idee liegt die Annahme zugrunde, dass ein Link von einer anderen Webseite wie eine Empfehlung zu deuten ist – ich verlinke diese Seite, weil ich die Inhalte relevant oder interessant finde. Je mehr externe Links, desto höher das Ranking. Page und Brin nannten dieses Prinzip “PageRank” und entwickelten den ersten Prototypen der Suchmaschine im Jahr 1996, die Gründung von Google erfolgte dann 1998. (Quelle: The Verge)

Anfang der 2000er entdeckten Einzelne, dass sich dieser Algorithmus beeinflussen lässt, und dass sich damit viel Geld verdienen lässt – die Anfänge von SEO (aus dem Englischen Search Engine Optimization). Wer für den Suchbegriff “Schuhe kaufen” weit oben im Ranking erscheinen wollte, sorgte für externe Links aus Linkverzeichnissen und verwendete “Schuhe kaufen” möglichst oft im Text, z.T. in weißer Schrift auf weißem Hintergrund. Damit waren sie für Nutzer:innen nicht sichtbar, für Suchmaschinen jedoch schon.

Der Google-Algorithmus heute

Heute funktioniert der Google-Algorithmus nicht mehr so einfach. Der Mythos, dass es nur darum gehe, die richtigen Schlagwörter möglichst oft im Text zu nennen, hält sich aber trotzdem hartnäckig. Google selbst gibt oberflächliche Informationen dazu, wie der Algorithmus nun wirklich funktioniert (Quelle: Google). Wirklich in die Karten schauen lassen sie sich nicht, weil die großen Suchmaschinen Konkurrent:innen auf dem kapitalistischen Markt sind. Dennoch lassen sich einige wichtige Ranking-Faktoren zusammenfassen.

Was sind die wichtigsten Ranking-Faktoren?

Das Prinzip versucht der Algorithmus zu ermitteln, welche Suchintention hinter einem Suchbegriff steht, und dann diejenigen Webseiten weit oben anzuzeigen, die diese Intention am besten erfüllen.

Personen, die „Feminismus in den 1970er Jahren“, „feministische Bewegung in den 70ern“ und „Frauenbewegung 1970er“ suchen, haben höchstwahrscheinlich das Gleiche im Sinn. Bei diesem Beispiel ist es noch relativ eindeutig; bei anderen ist dies schon etwas kompliziertes: Möchte eine Person, die “Schwangerschaftsabbruch” googelt, eine Definition, eine Übersicht der Methoden, zur Gesetzeslage, zur Debatte, eine Klinik oder Arztpraxis mit diesem Angebot in der Nähe, oder praktische Informationen, wie sie zu einem Abbruch kommt?

Die vermutliche Suchintention “messen” Suchmaschinen anhand der Daten, die sie über das Verhalten von Nutzer:innen sammeln. Auf welches Ergebnis in der Liste klicken die meisten? Scrollen sie dann auf der Seite ganz nach unten, lesen also den Inhalt, oder klicken sie direkt wieder weg und probieren es mit einem anderen Ergebnis? Diese Bewertung von Internetseiten anhand von Daten passiert in Echtzeit und beeinflusst das Ranking immer wieder neu. (Verschiedene Aktivist:innen und Wissenschaftler:innen haben dieses Prinzip aus einer gesellschaftskritischen Perspektive analysiert und kritisieren, dass Google Diskriminierung reproduziert und verstärkt. Siehe z.B. die Kritik von Safiya Umoja Noble, Video auf Englisch.)

Folgende Ranking-Faktoren lassen sich also festhalten:

  • Der Inhalt einer Seite: Wie gut erfüllt er die Suchintention?
  • Die Inhalte der Webseite insgesamt: Um welche Art von Website handelt es sich?
  • Der Aufbau der Webseite insgesamt: gibt es viele Inhalte zu Themen, die für den Suchbegriff relevant sind?
  • Externe Signale: Wie viele externe Webseiten verlinken auf die Seite, und wie oft wurde sie auf Social Media geteilt?
  • Ladegeschwindigkeit
  • Anpassung an mobile Bildschirme
  • Sichere Verbindung mit SSL-Zertifikat (HTTPS)
  • und viele mehr.

Einige wichtige Dinge gibt es darüber hinaus zu beachten:

  • Suchmaschinen werten in erster Linie aus, was im Text steht. Das ist auch für Bilder und Videos relevant: Sie werden anhand der Alternativtexte, des Dateinahmens und des Texts des umliegenden Texts ausgewertet.
  • Welche Wörter im Text stehen, ist weiterhin relevant, aber wichtiger ist die Suchintention.
  • Schlagwörter in der Überschrift, im Meta-Titel, in Zwischenüberschriften sowie im ersten Satz werden höher gewichtet.
  • Als eine Seite gilt, was eine eigene URL hat. Das bedeutet: liegen Inhalte zur gleichen Suchintention auf verschiedenen URLs, können Suchmaschinen nicht bewerten, welche davon die relevanteste ist. Im Zweifel wirkt sich das negativ auf das Ranking aus.
  • Ein weiteres Problem sind Duplikate: Unterschiedliche URLs mit exakt oder fakt exakt dem gleichen Inhalt. Dies passiert zum Beispiel, wenn Inhalte kopiert werden.
  • Dass die Daten, die Suchmaschinen sammeln, und damit die Rankings, an einzelnen URLs hängen, bedeutet auch, dass eine Seite wieder bei Null anfängt, wenn sich ihre URL ändert.

Hier geht es weiter, wenn ihr euch daran machen wollt, eure Website zu optimieren: