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Netdoktor.de entfernt Falschinformationen über Schwangerschaftsabbrüche

Am 27.08.2020 hatten wir darüber berichtet, dass die Webseite netdoktor.de Falschinformationen über die Risiken von Schwangerschaftsabbrüchen verbreitet. Sie steht auf Position 1 für den Suchbegriff „Abtreibung“. Nun gibt es gute Nachrichten: Auf unsere Nachfrage hin hat die netdoktor.de-Redaktion den Artikel überarbeitet und die Falschinformationen entfernt.

Um welche Informationen es konkret geht:

Netdoktor.de hatte ursprünglich behauptet, Schwangerschaftsabbrüche könnten zu Unfruchtbarkeit führen. Dies ist falsch: Tatsächlich besteht kein erhöhtes Risiko, nach einem Schwangerschaftsabbruch unfruchtbar zu werden (Quelle: CNGOF-Studie von 2018, besser verständlich, jedoch auf Englisch erklärt in diesem New York Times-Artikel).

Darüber hinaus beeinhaltete der ursprüngliche Artikel die falsche Aussage, dass die psychischen Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs “nicht zu unterschätzen” seien und zu “Verlustängsten, starken Schuldgefühlen und Depressionen” führen könnten. Diese These bringen Abtreibungsgegner*innen immer wieder vor, sie ist jedoch wissenschaftlich widerlegt. Zahlreiche Studien haben erwiesen, dass seelische Belastungen durchaus entstehen können - allerdings verursacht durch die Hürden, die Menschen für einen Abbruch auf sich nehmen müssen, und ein stigmatisierendes Umfeld. Der Abbruch selbst hat keine psychischen Störungen zur Folge. (Quelle: BzGA)

Die Korrektur

Auf unsere Nachfrage hin hat netdoktor.de den Artikel nun korrigiert. Bezüglich des vermeintlichen Risikos für Unfruchtbarkeit hat die Redaktion das Risiko spezifiziert und auf Komplikationen bei chirurgischen Eingriffen beschränkt. Bezüglich der vermeintlichen psychischen Spätfolgen schreiben sie nun:

„Ein Schwangerschaftsabbruch allein erhöht das Risiko für die Entwicklung psychischer Erkrankungen nicht. Frauen, die in dieser Situation medizinisch und seelisch gut betreut werden, leiden nicht häufiger unter psychische Problemen als Frauen, die ein ungewolltes Kind bekommen.“

Unter Bezug auf eine US-amerikanische Studie heißt es weiter:

„Die meisten empfanden ihren Entschluss als Erleichterung. Als belastend empfanden Frauen eher die Stigmatisierung, die mit Abtreibungen einhergehen.“

Und:

„Gelegentlich ist vom sogenannten „post abortion syndrom“ (PAS) die Rede. Der Begriff steht für psychische Folgen einer Abtreibung. Studien konnten bisher allerdings keinen eindeutigen Beleg für das PAS erbringen.“

Was bedeutet das nun?

Diese Änderungen sind ein Erfolg, weil der netdoktor.de-Artikel auf Position 1 der Suchergebnisse eine beachtliche Reichweite erzielen dürfte. Der Suchbegriff „Abtreibung“ wird alleine auf Google in Deutschland jeden Monat über 33.000 Mal gesucht (Quelle: kwfinder.com ), davon klicken Schätzungen zufolge circa 30% auf das erste Ergebnis in der Liste. Rein rechnerisch entfallen damit 9.900 Klicks auf netdoktor.de, und das jeden Monat. Auch wenn diese Zahlen nur eine Annäherung sind, weil wir die tatsächlichen Zahlen nicht kennen, dürfte es sich um eine signifikante Reichweite handeln.

Radikale Abtreibungsgegner:innen versuchen schon seit langer Zeit, falsche Informationen über die vermeintlichen Risiken von Schwangerschaftsabbrüchen zu verbreiten, um Angst zu schüren und Druck aufzubauen, den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen weiter einzuschränken. Je mehr falsche oder irreführende Informationen über den Eingriff im Umlauf sind, desto höher die Verunsicherung und desto eher gehen ihre Strategien auf. Dies gilt umso mehr, als dass die gesetzliche Regelung in Deutschland durch §218 und §219a die Stigmatisierung vorantreibt und Ärzt:innen verbietet, über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren.

Folglich finden sich in den Suchergebnissen keine Webseiten von Ärzt:innen oder Kliniken. Gerade deshalb ist es so wichtig, auf den Webseiten, die in den Suchergebnissen sind, auf verlässliche Informationen zu pochen und Falschinformationen entgegen zu treten, wo auch immer sie auftauchen. Die Korrektur des netdoktor.de-Artikels ist dafür ein wichtiger Schritt.

Es geht weiter!

Die gleichen Falschinformationen immer noch auf anderen Webseiten, auch in den Suchergebnissen, zum Beispiel auf rtl.de (der Link nutzt Donotlink.it, das bedeutet er wirkt nicht positiv auf das Suchmaschinen-Ranking der Seite aus).

Wie sich gezeigt hat, bringt es etwas, die Redaktionen direkt anzuschreiben und aufzufordern, die Falschinformationen zu entfernen. Deshalb: ran an die Tastatur!

Fordert die rtl.de-Redaktion auf, verlässliche Informationen über Schwangerschaftsabbrüche zu liefern, wenn sie schon meinen, als Unterhaltungsplattform eine Anlaufstelle für medizinische Informationen sein zu wollen. Hier geht es zum Kontaktformular.

Falschinformationen raus aus den Suchergebnissen!